Presseberichte

Bild: Alfred Drossel

Bild: Alfred Drossel
Text aus dem Neckar- und Enzboten vom 7. September 2009

 
Fesselnde Inszenierung von Händels spätem Meisterwerk
 
Besigheims Bezirkskantor Tobias Horn und Regisseurin Maria Goeth bringen „Oreste“ auf die Bühne der Stadthalle Alte Kelter
 
 
Mit lautstarken Beifallsbekundungen ist das jüngste Projekt von Kantor Tobias Horn am Wochenende aufgenommen worden: Bei zwei Vorstellungen in der Besigheimer Stadthalle begeisterten Bezirkskantorat, Akteure und Orchester mit einer fulminanten Inszenierung des „Oreste“, einer Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel.
 
 
Nun ist Tobias Horn über Besigheim hinaus dafür bekannt, dass er manch musikalisches Highlight in die Kommune holt – etwa den Internationalen Orgelzyklus, bei dem regelmäßig große Organisten aus ganz Europa in der Stadtkirche gastieren. Der Orgelzyklus hat wegen der Renovierungsarbeiten momentan Pause. Horn konnte sich also mit ganzem Herzen seinem jüngsten Coup widmen: die Inszenierung der Oper „Oreste“, ein eher selten gespieltes Kleinod aus der Feder von Georg Friedrich Händel. Dafür hat sich Tobias Horn in bewährter Weise professionelle Unterstützung gesucht: Das „Kurpfälzische Kammerorchester“ aus Mannheim brillierte als sanft-subtiles Ensemble, das dank seiner einfühlsamen und zugleich erlesenen Streicherklänge die sichere instrumentale Basis für die durchweg bemerkenswerten Leistungen der Akteure bot. 
Ein auf wesentliche Elemente reduziertes Bühnenbild bildete den Hintergrund für die 1734 uraufgeführte Oper, die zuletzt von vielen Experten als herausragendes Spätwerk Händels erachtet wurde. Sie ist im Wesentlichen als ein Zusammenschnitt verschiedenster Arien aus vorausgegangen Werken zu sehen, die Händel um Chor- und Ballettszenen bereichert hat. Gesungen wurde in italienischer Sprachen; die gesprochenen Texte wurden deutsch vorgetragen.
 
Maria Goeth von der Bayerischen Staatsoper München, für die Regiearbeit der Besigheimer Aufführung verantwortlich, ist dabei ein ebenso sensibles wie glaubhaftes Bild der dramatisch-mythologischen Geschichte von Iphigenie auf Tauris gelungen, auf die Händels Oper zurückgreift. Iphigenie, bezaubernd verkörpert von Sabine Winter, sieht sich gezwungen, die grausamen Gesetze des Königs Thoas (Kai Preußker) umzusetzen. Jeder Fremde, der Tauris betritt, soll geopfert werden. Eines Tages landet allerdings ihr Bruder Oreste (Cornelia Lanz), nach dem Tod seiner Mutter halb wahnsinnig geworden, auf der Insel Tauris. Iphigenie will ihn beschützen und versteckt ihn vor den Schergen des Königs. Nur Hauptmann Philoktetes (Armin Stein) ist eingeweiht. Orestes Frau Hermione (Nastasja Docalu) und Freund Pylades (Christian Wilms) hatten da weniger Glück. Als sie Oreste nach Tauris folgen, werden sie festgenommen und zum Tode verurteilt. Iphigenie und Philoktetes müssen sich offen gegen den König stellen.
Viel Stoff für eine fesselnde Inszenierung, die dank der kongenialen Zusammenarbeit von Horn und Goeth zu einem Erlebnis für die Zuschauer in der Stadthalle wurde. Beeindruckende gesangliche Leistungen mischten sich unter spannende Dialoge und faszinierende tänzerische Einlagen, die in Summe immer wieder für Begeisterung im Publikum sorgten.
 
Kurzum: Dem Besigheimer Bezirkskantorat ist mit der Inszenierung des „Oreste“ einmal mehr ein viel beachteter Geniestreich gelungen, der mehrere hundert Besucher am Wochenende verzaubert hat.