Ben van Oosten

Ben van Oosten wurde 1955 in Den Haag geboren. Er studierte Orgel und Klavier am Sweelinck Konservatorium in Amsterdam und in Paris.  
Zahlreiche und sehr erfolgreiche Konzertreisen führten Ben van Oosten schon seit 1970 in die maßgebenden Orgelzentren Europas, USA, Kanada und Rußland, wo er als einer der bemerkenswertesten Orgelvirtuosen unserer Zeit hervorgetreten ist. 
Neben seiner Konzerttätigkeit gibt Ben van Oosten Meisterkurse in Europa und den USA und ist Professor für Orgel am Konservatorium in Rotterdam. 
Ben van Oosten beschäftigte sich eingehend mit der symphonischen französischen Orgelmusik. Seine Einspielungen für MDG der Orgelsymphonien von Alexandre Guil mant, Louis Vierne und Charles-Marie Widor an originalen Cavaillé-Coll-Orgeln wurden mit mehreren internationalen Schall plattenpreisen ausgezeichnet (u.a. »Preis der deutschen Schallplattenkritik« und »Dia­pason d’Or«). Außerdem ist er Autor der umfassenden Widor-Biographie »Charles-Marie Widor – Vater der Orgelsymphonie«. 
Wegen seiner Verdienste um die französische Orgelkultur erhielt er 1980, 1987 und 1998 ehrenvolle Auszeichnungen durch die Société Académique »Arts, Sciences, Lettres« in Paris. Im Jahre 1998 erhob ihn die französische Regierung in den Rang des »Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres«. 
Ben van Oosten ist Titularorganist an der »Grote Kerk« in Den Haag und künstlerischer Leiter des »Internationalen Orgelfestivals«, das alljährlich in dieser Kirche stattfindet.
 
Prof. van Oosten spielt am 02.09.2011 Werke von
 
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
     Einleitung und Fuge C-Dur
         aus der Kantate "Ich hatte viel Bekümmernis" BWV 21
             Orgelbearbeitung Franz Liszt (1811-1886)
     Adagio Es-Dur
         aus der 4. Sonate für Violine und Cembalo BWV 1017
              Orgelbearbeitung Franz Liszt (1811-1886)
     Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542
 
Alexandre Guilmant (1837-1911) 
     Allegretto op. 19/1
     Marche Triomphale op. 77/5
     Elégie-Fugue op. 44/2
 
Louis Vierne (1870-1937)
     Aus Symphonie Nr. 1 d-Moll op. 14
        - Pastorale
        - Allegro vivace
        - Andante
        - Final
 
Über den vor 200. Jahren geborenen Franz Liszt schrieb sein Zeitgenosse Alexander Wilhelm Gottschalg: „ Obwohl der unübertroffene Klaviertitan nicht gleich hoher Orgelvirtuos war – wegen des ihm weniger geläufigen Pedals – so interessierte er sich dennoch in hohem Grade für Cäcilien´s hehres Instrument". Inspiriert zur Orgelkomposition wurde Liszt vor allem durch die große Ladegast-Orgel im Dom zu Merseburg, unweit von Liszts Aufenthaltsort Weimar. Zwischen 1852 und 1885 transkribierte Liszt auch zahlreiche Kompositionen anderer Meister für die Orgel (siehe Konzert am 1. Mai).
Einleitung und Fuge stammen aus der Kantate BWV 21 „Ich hatte viel Bekümmernis", welche am 3. April auch im Original im Chorkonzert zur Passion in der Stadtkirche Besigheim zu hören ist/war. Dem Schlusssatz dieser Kantate (Nr. 11) liegt ein Wort aus Offenbarung 5, 12 und 13 zugrunde: „Das Lamm, das erwürget ist…"/"Lob und Ehre und Preis und Gewalt…".
Die Bachschen Sonaten für Violine und obligates Cembalo entstanden vermutlich zwischen 1717 und 1723 in Köthen. Daraus erklingt heute der langsame Satz in Liszts Bearbeitung.
Bachs Fantasie und Fuge g-moll BWV 542 waren ursprünglich wohl nicht als zusammengehörendes Werkpaar konzipert. Beide Teile sind jedoch von einer herausragenden formalen Gediegenheit. Die fünfteilige Fantasie besticht durch rezitativischen Ausdruck und gewagte musikalisch-rhetorische Figuren und ist von außerordentlich harmonischer Kühnheit. Die vierstimmige Fuge steht möglicherweise in Zusammenhang mit Bachs erfolgloser Bewerbung um das Amt des Organisten an der berühmten Schnitger-Orgel von St. Jacobi in Hamburg. Das Thema der Fuge geht vermutlich auf ein altes niederländisches Volkslied zurück.
Alexandre Guilmant (siehe Konzert am 13. März), vor 100 Jahren geboren, lernte bei Lemmens in Brüssel und studierte, gefördert durch die Tradition seiner Lehrer, früh das bis dahin weitgehend vergessene Orgelwerk Bachs. Er galt als der bedeutendste französische Organist seiner Zeit und unternahm viele Konzertreisen, besonders zahlreich als einer der ersten europäischen Organisten in die USA. Er war Professor am Conservatoire in Paris, Organist an der Ste. Trinité und Gründungsmitglied der Schola Cantorum in Paris. Als Wiederentdecker und Herausgeber „alter" Orgelmusik hat er sich große Verdienste erworben. Seine Schüler waren u. a. Marcel Dupré (siehe Konzert am 13. März), Joseph Bonnet (siehe Konzert am 31. Juli) und Louis Vierne. Legendär ist Guilmants persönliche Integrität, Aufrichtigkeit und Güte. Neben den acht Orgelsonaten komponierte Guilmant eine Vielzahl von Charakterstücken und liturgisch geprägter Orgelmusik, darunter „Pièces dans différents styles" (1861-1892) und „Sept Morceaux" (1894-1899), aus denen die heute zu hörenden Werke stammen.
Viernes erste Orgelsymphonie (1899) ist dem verehrten Idol Guilmant gewidmet und wurde von diesem im Pariser Trocadéro-Palast uraufgeführt. Vierne, von Kindheit an fast blind und eine zeitlebens physisch wie psychisch anfällige Persönlichkeit, war von 1900 bis zu seinem Tode Organist an der Kathedrale von Paris und wie Guilmant eine in Europa und den USA berühmte Organistenpersönlichkeit. Sein Orgelschaffen hat längst den ihm gebührenden Platz im Kozertrepertoire, sein symphonisches Werk sowie sein Kammermusik- und Liedschaffen werden nach und nach wiederentdeckt. Die sechssätzige erste Symphonie ist noch von Widor und der Orgel von St. Sulpice inspiriert, an welcher später auch Marcel Dupré (siehe Konzert am 13. März) Organist werden sollte. Der heute zu hörende Ausschnitt aus dem gewichtigien Werk zeigt Vierne aber bereits auf der Höhe seiner Meisterschaft.
 
Prof. van Oosten spielte am 28.09.2008 Werke von
 
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
     Concerto C-Dur nach Joh. Enst von Sachsen-Weimar BWV 595
     2 Choralbearbeitungen
         „Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 730 und 731
     Präludium und Fuge d-moll BWV 539
     Aria „Schafe können sicher weiden“ aus Kantate BWV 208
         (Orgelbearbeitung: André Isoir) 
 
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
     Variations sérieuses d-moll op. 54 (1841)
         (Orgelbearbeitung: Reitze Smits)
  
Alexandre Boely (1785-1858)
     Andante con moto
     Offertoire pour le jour de Paques
 
Louis Vierne (1870-1937)
     Tryptique op. 58
          - Matines
          - Communion
          - Stèle pour un enfant défunt
  
Alexandre Guilmant (1837-1911)
      Sonate Nr. 1 d-moll op. 42
          - Introduction et Allegro
          - Pastorale (Andante quasi Allegretto)
          - Final (Allegro assai)