Colin Andrews (Indiana University/USA)

Geboren in Bristol, England, studierte Colin Andrews in der Londoner Royal Academy of Music Orgel und Klavier bei Douglas Hawkridge und Margaret McDonald. In Genf besuchte er die Meisterklasse bei Lionel Rogg. In England vervollständigte er seine Studien bei Dame Gillian Weir.
Colin Andrews errang viele Auszeichnungen: 1980 und 1982 in Dublin beim International Orgel-Wettbewerbe, 1993 verlieh ihm die Royal Academy of Music, London, eine Auszeichnung für seine Konzerttätigkeit.
Er spielte in vielen Konzertsälen und auf bedeutenden Orgeln: King‘s College in Cambridge, Suntory Hall in Tokyo, Hong Kong Cultural Center, am Moskauer Konservatorium, der Kathedrale von Notre Dame in Paris.
Er trat in der Royal Festival Hall in London auf, in der American Guild of Organists, in Yale, Duke und der Stanford University, sowie in Kirchen in Taiwan, Südamerika, Island, Finnland, Australien, Thailand, Singapur, Südkorea, Südafrika und einer Reihe von Kirchen in Westeuropa.
Neben seinen Konzerten ist Colin Andrews Lehrer und Dozent. Er hält weltweit Vorträge und hat an zahlreichen Funk- und Fernsehsendungen teilgenommen. Colin Andrews wirkte als Juror bei vielen internationalen Orgelwettbewerben mit.
Von 2000 bis 2001 war Colin Andrews Gastdozent für Orgel und Kirchenmusik an der East Carolina University. Seine Schüler haben sich auf nationaler und internationaler Ebene bewährt. Im Herbst 2005 hat er seine Dozententätigkeit wieder aufgenommen. Von 2008-2009 war Andrews Interim Director of Organ and Sacred Music Studies an der East Carolina University. Seit Herbst 2009 lehrt er Geschichte der Orgelliteratur und Orgel-Pädagogik an der Indiana University, Bloomington, USA.
 
Colin Andrews spielt am 31.07.2011 Werke von
 
Anonymus
     Sechs Renaissance-Tänze (1531)
 
Louis Marchand (1669-1732) 
     Grand Dialogue in C
 
Johann Sebastian Bach (1685-1750) 
     Choralbearbeitung:
         O Mensch bewein dein Sünde groß BWV 622
            (aus dem „Orgelbüchlein")
     Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582    
     Zwei Choralbearbeitungen:
         Jesus meine Zuversicht BWV 728
         Ach Gott und Herr BWV 714
 
Paul Patterson (1947) 
     Toccata Fluorescence
 
Joseph Bonnet (1884-1944) 
     Variations de Concert op. 1
 
Louis Marchand, geboren in Lyon, war bereits als Vierzehnjähriger Organist der Kathedrale von Nevers. Ab 1691 wirkte er an verschiedenen Kirchen in Paris, ab 1708 als Organist der Chapelle royale, d. h. als einer der Hoforganisten des französischen Königs. Der Überlieferung nach soll er – nicht zuletzt aus privaten Gründen – mehrere Jahre durch Deutschland gereist sein und sich im September 1717 einem musikalischen Wettstreit mit J. S. Bach durch Flucht entzogen haben. Seine wenigen veröffentlichten Werke (darunter die fünf Orgelbücher mit liturgischer Musik) verwenden die klassischen französischen Satztypen. Der Dialog in C-Dur kann als das herausragende Werk angesehen werden. Das Stück rechnet mit den typischen Klangfarben der französischen Barockorgel (Grand Jeu, Cromorne, Cornet, Echoeffekte) und passt eine abwechslungsreiche Mehrteiligkeit der symmetrischen Form der französischen Ouverture an.
Die ausgewählten Choralbearbeitungen von Bach kreisen um die Thematik Passion/Buße (O Mensch/Ach Gott und Herr) sowie Auferstehung (Jesu, meine Zuversicht). Eine der bekanntesten Choralbearbeitungen Bachs, BWV 622, entstammt dem berühmten „Orgelbüchlein", einem theologischen und organistischen Lehrwerk, welches Bach in Weimar begann, später zum Teil ergänzte, jedoch nie fertigstellte. Dies ist an den zahlreichen leeren Seiten im Autograph, die allein den Choraltitel und die gezogenen Notenlinien enthalten, sichtbar. BWV 622 ist selbst im Schaffen Bachs ein Werk von herausragender inhaltlicher Tiefe und höchstem Symbolgehalt.
Die beiden anderen Bearbeitungen sind einzelstehende Werke, BWV 728 ist als Autograph im „Clavierbüchlein für Anna Magdalena Bach" (1722) enthalten, BWV 714 erinnert in Faktur und Satztechnik (Oktavkanon) an manche Bearbeitung des „Orgelbüchleins". Zu Passacaglia und Fuge c-moll BWV 582 sei auf die Erläuterungen zum Konzert am 13. März verwiesen.
Paul Patterson ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen britischen Komponisten. Er trat seit 1968 als Komponist und Posaunist hervor und komponierte ab 1971 zunächst vor allem elektronische Musik. Von 1975 bis 1981 war er Direktor des Instituts für elektronische Musik an der University of Warwick, von 1987 bis 1997 war er Rektor desselben Instituts an der Royal Academy of Music in London. Sein besonderes Interesse gilt der zeitgenössischen polnischen Musik; so setzte er sich besonders für das Schaffen von Witold Lutoslawski und Krzysztof Penderecki ein, wofür er in Polen mehrfach ausgezeichnet wurde. Das heute zu hörende Werk entstand 1973.
Einer der bedeutendsten Schüler von Alexandre Guilmant (siehe Konzerte am 13. März und 2. September) war Joseph Bonnet. Er wurde in Bordeaux geboren und starb in Kanada, wohin er sich während des 2. Weltkriegs zurückzog. Zunächst Schüler von Charles Tournemire, studierte er bis 1906 bei Guilmant und wurde im selben Jahr Organist der Kirche St. Eustache in Paris. Er war wie Guilmant und Dupré ein großer Virtuose und unternahm zahlreiche Reisen in die USA. Als Konzertstück zur virtuosen technischen und musikalischen Entfaltung für eine dieser Reisen wurden die heute zu hörenden Variationen op. 7 komponiert. Nach einer kraftvollen Einleitung erklingt das Thema in den Grundstimmen der Orgel, bevor es in vier Variationen bearbeitet wird. Var. 1: Thema im Manual mit Pizzicato-Bass. Var. 2: Thema im Pedal. Var. 3: Thema im Tenor. Var. 4: Finale mit Doppelpedal und Kadenz.