Ines Maidre ist eine Konzertorganistin aus Estland, die heute in Norwegen, als Dozentin für Orgelliteraturspiel an der Griegakademie, Hochschule für Musik in Bergen, tätig ist. Als Organistin konzertiert sie bei vielen internationalen Aufführungen und sie gastiert bei bedeutenden Orgelkonzertreihen in Europa und Amerika.
Ines Maidre studierte Klavier und Orgel am Staatlichen Konservatorium Tallinn, wo sie 1985 ihre Studien mit Auszeichnung absolvierte. Von 1989 bis 1991 setzte sie ihre Studien bei Daniel Roth in Paris fort, welche sie mit dem „Premier Prix d’Excellence avec Félicitations" abschloss.
1994-1998 studierte sie Cembalo und Barockinterpretation bei Hans Knut Sveen an der Grieg-Akademie in Bergen. Sie hat an mehreren Meisterkursen, u.a. bei Martin Haselböck, Jean Boyer, Olivier Latry, teilgenommen.
1991 gewann Ines Maidre beim Concours Musicale d’Ile de France den ersten Preis (Premier Prix Unanimité). Seither hat sie in ganz Europa mit Erfolg konzertiert, u.a. in Notre-Dame und St Sulpice in Paris, Westminster Abbey in London, St Bavo in Haarlem, Altenberger Dom. Sie war auch bei vielen internationalen Festivals, u.a. in Nürnberg, Brüssel, Haarlem, Paris, Bergen, Blekinge, Espoo, Riga, Tallinn zu Gastkonzerten eingeladen.
Unter Leitung der Dirigenten Neeme Järvi, Tõnu Kaljuste, Martin Fischer-Dieskau, Fabio Ventura, Leo Krämer u.a. war sie Solistin bei mehreren Konzerten für Orgel und Orchester (Händel, Poulenc, Jongen, Kapp, Lepnurm).
1995 hat Ines Maidre den Jahrespreis des Estnischen Kultuurkapital bekommen für eine Reihe mit sehr originellen Konzerten, u.a. Schwanengesang für die Orgel, Kathedralfenster, In Bachs Fussspur, Legenden in St Nikolai, Hymnenmusik durch die Jahrhunderte. Maidres Zusammenarbeit mit verschiedenen Solisten und Ensembles wie z.B. mit Gregorianischem Gesang, Tanz, Schlagzeug, Harfe, Streicher und Synthesizer resultierte in einer Reihe erfolgreicher Konzerte.
Für den Film über den estnischen Orgelkomponist Peeter Süda hat Ines Maidre alle seine grossen Werke eingespielt.
Ines Maidre spielt am 26.06.2011 Werke von
Francisco Correa de Arauxo (1584-1654)
Tiento Batalla Morales
Domenico Scarlatti (1685-1757)
Fuga del gatto (Katzenfuge) g-Moll K 30 (L 499)
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Präludium und Fuge C-Dur BWV 545
Peeter Süda (1883-1920)
Ave Maria
Basso ostinato
Émile Bernard (1843-1902)
Scherzo-Caprice op.26
Margeris Zarins (1910-1993)
Variazionen über BACH
Guy Bovet (1942)
Tango del Decimo Tono, dicho del Gato (wie die Katze)
Tango de sesto tono, de batalla
aus: Tangos ecclesiasticos
Egil Hovland (1924)
Toccata "Il canto del mare"
Correa de Arauxo gilt neben dem älteren Antonio de Cabezon (siehe Konzert am 1. Mai) als der Großmeister der frühen iberischen Orgelmusik. Seine Vorfahren stammten aus Portugal. Correa de Arauxo hat über sein kompositorisches Werk hinaus als Theoretiker bleibende Bedeutung erlangt. Nach seiner Ausbildung in Sevilla und einem kleineren Organistenamt bewarb er sich zunächst erfolglos um die Posten des Kathedralorganisten in Sevilla, Malaga und Toledo. Erst 1640 sollte er Organist an der Kathedrale in Segovia werden, nachdem er schon 1626 seine bedeutenden Orgelwerke veröffentlicht hatte. Eine „Batalla" ist eine auf die Orgel übertragene Schlachten-Musik.
Der Sohn des großen Opernkomponisten Alessandro Scarlatti, Domenico, war nach vielen Reisen und Aufenthalten in Rom, Florenz und Venedig viele Jahre im Dienste der Prinzessin maria Barbara in Lisaabon (Portugal) tätig. 1733 ließ er sich in Madrid nieder. Manche seiner über 500 Werke für Tasteninstrumente sind ausdrücklich für die Orgel bestimmt. Auch einige Fugen (wie die heute zu hörende) lassen sich ohne Probleme auf der Orgel spielen.
Bachs Präludium und Fuge C-Dur BWV 545 ist ein Werk, das in außergewöhnlich vielen verschiedenen Fassungen existiert, u. a. in einer Transposition und als dreiteiliges Werk, in welchem Präludium und Fuge durch einen Triosatz verbunden sind. Dennoch besticht das Werk, das den Komponisten wohl über viele Jahre immer wieder beschäftigte, durch seine einheitliche Satztechnik, kompositorische Reife und klare Form.
Peeter Süda war ein bedeutender estnischer Musiker. Der früh verstorbene Komponist stammte aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen. Er studierte am Konservatorium in St. Petersburg und war danach als Organist und Lehrer am Konservatorium in Tallinn tätig.
Der Komponist Emile Bernard ist nicht identisch mit dem etwas jüngeren Schriftsteller und Maler gleichen Namens. Der Musiker war Organist an der Cavaillé-Coll-Orgel von Notre Dame des Champs in Paris und schrieb Orgelmusik, kammermusikalische und symphonische Werke. Sein Violinkonzert wurde vom berühmten Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate uraufgeführt.
Wie Ines Maidre und Peeter Süda stammt auch Margeris Zarins aus dem Baltikum. Der Lette war neben seiner Tätigkeit als Komponist bis 1950 Leiter des Theaters in Riga. Er komponierte in vielen Gattungen und für verschiedenste Besetzungen. Bemerkenswert ist sein spartenübergreifendes Interesse für die Literatur und für den Film, was auch in der Komposition von Filmmusikern seinen Niederschlag fand.
Guy Bovet ist eine der interessantesten und originellsten Persönlichkeiten der heutigen Organistenszene. Er war viele Jahre Organist in Romainmotier und Neuchatel (CH) und hat als Professor für Orgel an der Musikakademie in Basel zahlreiche bedeutende Organisten unterrichtet. Er konzertiert auch heute noch weltweit, wenngleich er sich in seiner Vita nicht ohne Koketterie als Fischer und Gärtner am See von Neuchatel beschreibt. Bovet besitzt als Komponist, Lehrer und Interpret viel Humor sowie eine starke Affinität zur iberischen und lateinamerikanischen Musik, wie auch seine „Kirchen-Tangos" beweisen.
In der zeitgenössischen norwegischen (Kirchen-)musik-Szene ist Egil Hovland die herausragende Persönlichkeit. Sein kompositorisches Werk umfasst viele Gattungen und sein Werk ist von einer großen stilistischen Flexibilität und Vielseitigkeit. Der Schüler von Copland und Dallapiccola ist nach wie vor als Kirchenmusiker tätig.