Miroslawa Semeniuk-Podraza (Krakau/Polen)

Miroslawa Semeniuk-Podraza studierte Orgel an der Musikakademie in Krakau bei Jan Jargon und schloss mit Auszeichnung ab. Sie setzte ihr Studium an der Hochschule für Musik in Wien bei Hans Haselböck fort und nahm an zahlreichen internationalen Meisterkursen teil.
Sie hat den nationalen Orgelwettbewerb in Krakau im Jahre 1973 gewonnen und spielte seitdem bei allen großen Festivals in Polen sowie in vielen Konzerthäusern und Kirchen u.a. in Wien, London (Royal Academy of Music, St. Paul´s Cathedral), Washington (St. Peter und Paul-Cathedral), Leipzig (Gewandhaus), Mexiko City Catedral, Lyon, wie auch bei internationalen Orgel-Festivals in Montevideo, Buenos Aires, Porto Alegre, Kyoto.
Sie spielte auf historischen Instrumenten von Schnitger und Silbermann und hat zahlreiche Aufnahmen für Rundfunk und Fernsehen gemacht.
Miroslawa Semeniuk-Podraza wird regelmäßig zu Vorträgen und Meisterkursen und als Jury-Mitglied bei nationalen und internationalen Wettbewerben eingeladen. Als Professorin an der Musikakademie in Krakau ist ihr die Förderung und Entwicklung junger Künstlerinnen und Künstler ein Anliegen. Zur Zeit ist sie Dekanin an der Fakultät II Instrumentalmusik.
Sie ist künstlerische Leiterin einer Reihe von Orgel-Festivals wie die L´Arte Organica in Nowy Sacz oder die internationalen Sommer-Orgelfestival in Krakau. Sie ist Mitglied der Bachgesellschaft. Als Initiatorin und Mitglied des Ausschusses zur Restaurierung der historischen Orgeln in Krakau hatte sie maßgeblichen Anteil an der Wiederherstellung berühmter Orgeln.
Im Jahr 2001 machte sie eine Tournee um die Welt (Mexiko, USA, Argentinien, Uruguay, Brasilien, Australien, Japan, Großbritannien, Sardinien, Südafrika).
 
Miroslawa Semeniuk-Podraza spielt am 30.10.2011 Werke von
 
Dietrich Buxtehude (1637-1707)
     Toccata in d-Moll BuxWV 155
     Choralbearbeitung „Erhalt uns Herr bei deinem Wort" 
         BuxWV 185
 
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
     Fantasie G-Dur BWV 572 (Pièce d´Orgue)
     Choralbearbeitung „Nun komm der Heiden Heiland"
         BWV 659 (aus der „Leipziger Originalhandschrift")

Tabulatura aus dem Krakauer Kloster (1548)
     Ortus de Polonia
     Nas sbawyczel Kyrie leyzon
     Kyrieleyson pascale Nicolis Cracoviensis
 
Tabulatura Jan de Lublin (1535-1547)
     Sieben Tänze
 
Marian Sawa (1937- 2005)
     Tanz-Bilder
 
Henryk Botor (geb. 1960) 
     Mare crisium
 
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
     Sonate f-Moll op. 65 Nr. 1
         - Allegro moderato e serioso
          (Choral „Was mein Gott will, das g´scheh allzeit")
         - Adagio
         - Andante, Recitativo
         - Allegro assai vivace
 
Am Vorabend des Reformationsfestes bilden Werke der großen evangelischen Komponisten Buxtehude und Bach sowie des zum Protestantismus konvertierten Juden Felix Mendelssohn Bartholdy den Rahmen. Ein wichtige Rolle spielt in diesem interessanten Programm der Choral Luthers und der Reformationszeit. Dazwischen erklingt alte und neue polnische Orgelmusik.
Dietrich (oder Dieterich) Buxtehude war von 1668 bis zu seinem Tode Organist an der Marienkirche in Lübeck und gilt als der herausragende Vertreter der norddeutschen Organistenschule. Als Organist und Ratgeber war er eine gefragte Persönlichkeit, was nicht zuletzt Bachs legendäre Pilgerreise von Arnstadt nach Lübeck belegt. Buxtehudes d-moll-Toccata ist eines der wichtigsten Werke des „stylus phantasticus" mit kühnen satztechnischen und musikalisch-rhetorischen Wendungen und in der für die norddeutsche Orgeltoccata typischen Mehrteiligkeit im Wechsel zwischen Laufwerk, akkordischen oder Solopassagen und polyphonen Abschnitten.
Der Choral „Erhalt uns Herr bei deinem Wort" wurde von Martin Luther im Jahr 1543 verfasst.
Bach hat den Advents-Choral „Nun komm, der Heiden Heiland" in zahlreichen Werken (Choralbearbeitungen für Orgel, Kantaten) verwendet. Der Text ist eine Nachdichtung Luthers des altkirchlichen Hymnus „Veni redemptor gentium" (um 386) aus dem Jahr 1524. Die heute zu hörende Bearbeitung stammt aus der „Leipziger Originalhandschrift" (siehe Konzert am 13. März) und hat eine deutliche Vorlage in einer (allerdings kürzeren) Bearbeitung des Chorals von Buxtehude. Beide Werke gehören zur Gattung des „monodischen Orgelchorals". Bachs Vertonung ist von beeindruckender Tiefgründigkeit. Die Melodie erscheint stark verziert in der solistisch geführten Oberstimme.
Unter Tabulatur versteht man die schriftliche Fixierung (in Griffen, Buchstaben, Zeichen o. Ä.) von Musik. Ziel der Tabulaturschrift war eine instrumentenspezifische Notation von Musik, ursprünglich die Übertragung und Ermöglichung der Wiedergabe von polyphoner Vokalmusik auf einem (nicht austauschbaren) Instrument.
Der polnische Mönch Jan de Lubin war Organist, Chorleiter und Komponist in Krasnik. Seine Tabulatur ist mit über 520 Seiten die umfangreichste Sammlung von Musik ihrer Zeit. In ihr sind Werke bedeutendster zeitgenössicher Komponisten enthalten, u. a. von Cavazzoni, Josquin Desprez und Ludwig Senfl.
Marian Sawa war an der Musikakademie Krakau Schüler von Miroslawa Semeniuk-Podraza und Krzysztof Penderecki. Der Organist und Improvisator hat ein vielseitiges Schaffen vorzuweisen: es reicht von der Kirchenmusik (u. a. offizielle Musik zum Papstbesuch 2006 in Polen) über sinfonische Besetzungen bis zur Filmmusik.
Henryk Botor war in Warschau als Musikwissenschaftler, Organist und Komponist tätig. Er lehrte an der F. Chopin-Musikakademie und hat mehr als 1000 Werke geschrieben, vielfach inspiriert durch die Gregorianik, polnische Volkslieder und Folklore.
Mendelssohns erste Sonate verwendet im ersten Satz den Choral „Was mein Gott will", dessen Text von Albrecht Markgraf von Preussen stammt, der bereits 1525 die Reformation einführte. Der Komponist, der auch in der 3., 5. und 6. Sonate Choräle verarbeitet hat, ging mit dem Formbegriff der Sonate generell frei um; diese wurden von ihm vielfach aus bereits bestehenden Einzelsätzen zusammengesetzt. Ein Vergleich mit der Sonate Guilmants, die am 13. März zu hören war, bietet sich an.