Beschreibung
 
Die Stadtkirche stammt aus dem späteren Mittelalter und war dem Heiligen Cyriakus geweiht. Der Turm trägt einen Helm im Renaissance-Stil. Eine grundlegende Veränderung fand im Jahr 1847 und 1857 statt. Die Einwohnerzahl war auf 2559 Evangelische gewachsen und die Kirche somit zu klein geworden. Im Schiff wurden die Seitenwände um 3,50 Meter erhöht und eine flache Decke eingezogen, so dass auf allen drei Seiten Platz war für zwei Emporen übereinander. Damals kam auch die Empore mit der Orgel, die im Chor vor dem Hochaltar stand, auf die Westseite der Kirche. Leider hat man, um mehr Licht für das Innere zu gewinnen, bei den Fenstern alle Maßwerke ausgeschlagen. 1966 wurde bei einem eingreifenden Umbau der jetzige Zustand hergestellt. Der Chor war schon fünfzehn Jahre vorher renoviert und die Fresken freigelegt worden. Diese gotischen Fresken an der Nordwand des Chors sind als Armenbibel (biblia pauperum) gedacht und berichten in den oberen und dem mittleren Band das Leiden, Sterben und die Auferstehung und Himmelfahrt des Sohnes Gottes und im unteren Band die Leidensgeschichten verschiedener Märtyrer der Kirche.
 
Das Schmuckstück der Kirche ist aber der Hochaltar aus dem Jahre 1520. Über seine Entstehung sind keine Urkunden vorhanden. Die Seitenflügel zeigen durch Vergleiche mit anderen Arbeiten, dass sie von dem Meister Christoph von Urach stammen. Der Altar ist aus unbemaltem Lindenholz, die Lippen und Augen der Figuren tragen etwas Farbe, die ursprünglich ist. Cyriakus war der Schutzpatron der Geistes- und Nervenkranken, und deshalb zeigt das Mittelstück, wie er gerufen und gebeten wird zur Heilung der vor ihm knieenden kranken Arthemia, Tochter des Kaisers Diokletian. Dieser wird bei seiner Bitte unterstützt von weiteren Männern an seiner Seite. Cyriakus, hinter ihm ein Schüler oder Mitarbeiter, wendet sich in feiner Haltung zurück und zeigt mit der Rechten auf das Buch in seiner linken Hand, als wollte er auf den im Evangelium hinweisen, der allein helfen kann. Der Heilige trägt ein kostbares Priestergewand aus Brokat; der Begleiter des Kaisers an der rechten Seite erinnert in seinem kurzen Gewand an die jetzt schon die Gotik ablösende Frührenaissance. Die Knieende hat ein schmales edles Gesicht und trägt auf ihrem Kleid einen Kranz aus Blumen. Die ganze Gruppe ist voller Leben und von sehr starker Aussagekraft; sie dürfte nach den Angaben eines Fachmannes unserer Zeit von einem großen, leider unbekannten Holzschnitzmeister stammen. Beiderseits der Mittelgruppe stehen zwei lebensgroße Figuren, links Johannes der Täufer – so dass man rechts den Evangelisten Johannes vermutet. Die Seitenflügel von anderer Art der Schnitzerei sind typisch für einen Marienaltar: Verkündigung, Geburt Jesu, Anbetung der Weisen und die Flucht nach Ägypten. Von daher lassen sich die Halbfiguren unter der Mittelgruppe deuten, als die Vorfahren Jesu: Die "Mutter Anna selbdritt", David und Bathseba, Salomo und die Königin von Saba. Umso auffallender ist, dass sich in dieser Cyriakuskirche im Mittelstück keine Darstellung aus dem Marienleben befindet (Creglingen: Himmelfahrt der Maria. Breisach: Krönung der Maria).
Über der Mittelgruppe in reichem und schönem Schnitzwerk sind die Halbfiguren von vier Heiligen, die an ihren Beigaben zu erkennen sind als Rochus, Martin, Georg und Dorothea.
Über allem thront Christus als der Weltenrichter mit dem Richtschwert, das aus seinem Munde geht, und erhobenen Schwurhänden, die Füße auf der Weltkugel und zu seinen Füßen die Toten, die aus den Gräbern auferstehen zum Gericht. Vier Engel umgeben den Herrn, welche die Marterwerkzeuge tragen; fürbittend knien zur Rechten Johannes der Täufer und zur Linken die Gottesmutter. Über dieser Gruppe steht Maria mit dem Kinde auf dem Arm und mit einer Lilie (als ihren Symbol) in der rechten Hand. Darüber, im Gesprenge, kaum von unten zu erkennen, ist noch ein Gerichtsengel, der die Toten aus den Gräbern ruft. So füllt der 13 Meter hohe Altar den Chor aus bis zur Decke, ein Bild großer Schönheit, das durch die Erneuerung 1966 noch besser zur Wirkung kommt.
Links vom Altar ist in der Mauer ein gotisches Sakramentshäuschen mit neuerem Eisengitter und alter Freskenmalerei.
Die Renovierung hat gezeigt, dass vor dem Chor ein Lettner war (Zwischenbau zwischen Schiff und Chor mit mehreren Durchgängen und je einem Altar rechts und links darunter und einer Empore mit Treppenaufgang durch den runden Turm im Chor). Man sieht über der Kanzel noch die Türe, durch die der Leser des Evangeliums oder die Chorsänger den Lettner betraten. Die Wand über den Altären war mit Fresken versehen; die vom rechten Altar sind gut erhalten (bis auf die Stelle, woe bis 1966 die Kanzel stand) und zeigen die Kreuzigung Jesu in lebendigen und wechselnden Bildern. Von einer frühen barocken Kanzel ist noch die holzgeschnitzte Figur des auferstandenen Christus vorhanden, die einst auf dem Schalldeckel der Kanzel stand und wieder einen Platz über der Kanzel gefunden hat. Durch das Entfernen der Emporen ist das Käppele frei geworden, dessen Decke Ausmalungen von Jörg Rathgeb zeigen.
 
Die Westseite trägt auf der oberen Empore die Orgel, die so in zwei Teilen ausgebaut, ist, dass das Fenster frei wurde. Darüber, neu, ein Rundfenster mit den Buchstaben A und O als ein in gotischen Kirchen (Breisach: das große Weltgericht von Martin Schongauer) geübter Brauch, die das Gotteshaus in den Alltag verlassende Gemeinde an das Jüngste Gericht und das Ende aller Dinge zu erinnern. An der Südwand des Chores sind drei hölzerne Grabtafeln im Barockstil angebracht, deren oberste, aus dem Jahre 1701, für den Pfarrer Joseph Österlin berichtet, wie 1693 fremde Truppen in der Kirche mit sechs Backöfen das Brot für die Soldaten buken, den Hochaltar aber verschonten.
Die erneuerte Kirche ist in den Farben und im Wechselspiel verschiedener Holzarten hell und freundlich gehalten und geeignet, den Blick eines jeden Besuchers zum Hochaltar zu lenken. Die neuen Lösungen wie Emporen, Kanzel, Taufstein und Bestuhlung passen gut abgestimmt sich dem Chorraum an. Dazu gehört auch das Zurücktreten des vorderen Altars, den ein schmales Bronzekruzifix ziert. Der Hochaltar bleibt der Mittelpunkt des gesamten Raumes. Er hat die Jahrhunderte – auch den letzten Krieg – ohne Schaden überstanden, so dass alle Stücke an ihm original sind. In der Kirche des Wortes ist er durch seine Aussagekraft eine Predigt, die durch das Auge das Herz anspricht.